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Ausbildung von islamischem Lehrpersonal
in der Schweiz ?

117 Muslime aus verschiedenen soziologischen Schichten wurden in 99 Gesprächen gefragt, ob, wie und warum sie die Ausbildung einer islamischen Lehrerschaft, genannt Imame, in der Schweiz für möglich halten. Sie stammen aus verschiedenen Ländern: Türkei, Jordanien, Indonesien, Senegal, Ägypten, sind aber jetzt in der Schweiz ansässig. Die Universität Zürich hat die Auswertung der Umfrage publiziert.
Mosquée en Turquie

Ein grundlegender Konsensus besteht zwischen Vertretern islamischer Gemeinschaften und massgebenden Instanzen in der Schweiz.


Um eine angepasste religiöse Erziehung der jungen Muslime zu gewährleisten, braucht es nicht nur in der islamischen Schulung ausgebildete, sondern auch pädagogisch trainierte Lehrerschaft.


Moschee in Turkey


 
Mosquée en Jordanie
Die Glaubensgemeinschaften, die sich am Islam orientieren, stehen vor dem grundlegenden Problem einer sich neu stellenden Frage : wie heutzutage die Botschaft des Korans in einer vollständig anders gestalteten Umgebung darlegen. Zurückgehen zu den Lebensbedingungen des ersten islamischen Jahrhunderts ? Wie umgehen mit den historisch bedingten Spaltungen im Islam ? Wie die Vorschriften des Korans mit einem Leben in einer modernen und technisierten Welt interpretieren ?

Soll islamischer Religionsunterricht gleichgestellt werden mit dem christlichen? Wenn nein, warum nicht ? Wenn ja, welche Grundbedingungen können die Kantone anfordern von denen, die diese Aufgabe übernehmen wollen. Denn das föderale System in der Schweiz überlässt den Kantonen die Hoheit über Religionsfragen.

© Die grosse Moschee in Jordanien

Wie sollen sich die islamischen Glaubensgemeinschaften diesen kantonalen Verwaltungen gegenüber vertreten oder vertreten lassen ? Welchen Inhalt soll dann der islamische Religionsunterricht haben ?
Es geht ja darum, eine islamische Erziehung in einem gegebenen Land, der Schweiz, zu bieten : da wäre es auch verständlich, dass alle Lehrer und Lehrerinnen wenigstens eine der Nationalsprachen verstehen und gebrauchen können. Wie können sie die Schüler auf die Besonderheiten der Schweiz aufmerksam machen, wenn sie selber zum Beispiel nur Türkisch reden oder nicht wissen, wie eine Demokratie hier funktioniert ? 

 
Mosqué au Sénégal
Wer würde die Ausbildung der Lehrerschaft übernehmen, oder übernehmen müssen : die Kantone, der Bund, die eigenen Glaubensgemeinschaften : jede für sich oder alle zusammen ? Wer würde die Diplome erstellen ?

Obwohl es verschiedene Strömungen im islamischen religiösen Raum gibt (Sunnis, Shi’is, Aleviten, usw.), soll der Lehrstoff so ausgearbeitet sein, dass er sie alle umfasst.

© Moschee in Touba Senegal


 

Die Lehrerschaft sollte neben der pädagogischen Ausbildung auch eine berufliche oder akademische Ausbildung erhalten. Denn ohne die Perspektive, eine berufliche Arbeit ausüben zu können, wäre die Ausbildung allein zum islamischen Lehrer nicht attraktiv: es handelt sich ja vielfach um Personen, die nebenbei ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, so lange sie nicht von ihrer Glaubensgemeinschaft besoldet werden.

Man kann nicht ausschliessen, dass wenigstens am Anfang der Ausbildung kompetente Fachleute aus dem Ausland beigezogen werden müssen für die Ausbildung in wenigstens drei Landessprachen (Französisch, Deutsch und Italienisch).

Eines der Hauptprobleme stellt die Finanzierung dar : sollte es eine Vereinbarung geben, nach der die islamischen Glaubensgemeinschaften genau wie die verschiedenen christlichen Kirchen durch eine Kirchensteuer finanziert werden? Zudem müssten die ausländischen Geldquellen für die Finanzierung der Ausbildung transparent sein.

Artikel zusammengestellt von
            Roman Stäger, Africanum, Fribourg
            6-2009 Kontinente

 
 


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